Hoesik in Korea: So sieht ein koreanisches Firmenessen wirklich aus | Life in Korea

Hoesik in Korea mit Samgyeopsal Chimaek und Noraebang als Teil koreanischer Arbeitskultur
Hoesik in Korea: Vom gemeinsamen Samgyeopsal-Essen über Chimaek bis zum Noraebang – und wie sich koreanische Firmenessen verändern.

Das Fleisch zischt auf dem Grill. In der Mitte des Tisches stehen kleine Schalen mit Beilagen, jemand greift zur Grillzange, nebenan stoßen Gläser aneinander.

Noch am Nachmittag saßen dieselben Menschen vor ihren Computern und sprachen über Termine und Projekte. Jetzt sitzen sie gemeinsam um einen Tisch in einem Samgyeopsal-Restaurant.

Wer zum ersten Mal in Korea arbeitet, könnte sich fragen:

Ist das einfach ein Abendessen mit Kollegen? Eine Firmenfeier? Oder gehört das irgendwie noch zur Arbeit?

In Korea gibt es dafür ein Wort, das man ziemlich schnell kennenlernen kann:

Hoesik (회식).

Gemeint ist ein gemeinsames Essen oder Treffen mit Arbeitskollegen. Alkohol kann dazugehören, muss aber nicht.

Für deutsche Arbeitnehmer ist die Idee, mit Kollegen außerhalb des Büros zusammenzukommen, natürlich nichts Ungewöhnliches. Auch in Deutschland gibt es Weihnachtsfeiern, Sommerfeste, Teamevents oder den Feierabenddrink.

Ein koreanisches Hoesik kann trotzdem ganz anders aussehen.

Denn manchmal beginnt die Geschichte erst am Grill.

Wer nimmt eigentlich die Grillzange?

Das Samgyeopsal liegt auf dem heißen Grill.

Ein paar Minuten vergehen.

Dann nimmt jemand die Zange und beginnt, das Fleisch umzudrehen.

Wer macht das?

In Erinnerungen an frühere Firmenessen hört man durchaus Geschichten darüber, dass ein neuer oder jüngerer Mitarbeiter zuerst zur Grillzange griff. Manche verbinden solche Situationen mit einem koreanischen Begriff, der später an diesem Abend noch wichtiger wird: Nunchi (눈치).

Aber daraus sollte man keine koreanische Hoesik-Regel machen.

Vielleicht grillt einfach derjenige, der es besonders gut kann. Vielleicht übernimmt ein älterer Kollege die Zange und grillt für die Jüngeren. Oder jeder kümmert sich selbst um sein Fleisch.

Ein ausländischer Mitarbeiter muss beim ersten Hoesik also nicht nervös auf die Zange starren und denken:

„Ich bin neu hier. Muss ich jetzt grillen?“

Interessanter ist etwas anderes.

Mehrere Menschen sitzen um denselben Grill, teilen Essen und warten gemeinsam darauf, dass das Fleisch fertig wird.

Und während es brutzelt, beginnt oft das Gespräch.

Plötzlich erzählt der stille Kollege von seinem Wochenende

Am Anfang geht es vielleicht noch um die Arbeit.

„Wie läuft das Projekt?“

„Diese Woche war wirklich anstrengend.“

Doch irgendwann liegt das erste Fleisch auf den Tellern und das Gespräch wandert weiter.

Wo warst du am Wochenende?

Welche Serie schaust du gerade?

Wohin möchtest du im Urlaub?

Natürlich verläuft nicht jedes Hoesik so. Manche Teams sprechen auch beim Essen hauptsächlich über die Arbeit. Andere essen eher ruhig.

Aber außerhalb des Büros kann man manchmal eine andere Seite seiner Kollegen kennenlernen.

Der Kollege, der im Meeting kaum etwas sagt, erzählt plötzlich einen Witz.

Oder man entdeckt, dass der sonst sehr sachliche Vorgesetzte ein Hobby hat, mit dem niemand gerechnet hätte.

Deshalb wäre es etwas zu einfach, Hoesik nur als „koreanische Trinkkultur mit Arbeitskollegen“ zu beschreiben.

Bei vielen Hoesik ist das gemeinsame Essen mindestens genauso wichtig wie der Alkohol.

Warum nimmt jemand das Glas mit beiden Händen?

Dann erscheint vielleicht eine kleine Bewegung, die einem ausländischen Gast sofort auffällt.

Jemand schenkt Soju, Bier oder ein anderes Getränk ein.

Die andere Person nimmt das Glas mit beiden Händen entgegen.

In Korea kann man in etwas formelleren Situationen, besonders wenn Alter oder berufliche Stellung eine Rolle spielen, beobachten, dass Dinge mit beiden Händen übergeben oder angenommen werden.

Manchmal hält eine Hand das Glas, während die andere leicht das Handgelenk oder den Unterarm berührt.

Auch das leichte Wegdrehen des Gesichts beim Trinken mit einer älteren oder ranghöheren Person gehört zu den traditionellen Szenen koreanischer Trinketikette.

Aber wieder gilt:

Nicht jeder koreanische Arbeitnehmer macht bei jedem Hoesik exakt dieselben Bewegungen.

Unter Kollegen, die sich gut kennen, kann die Atmosphäre viel lockerer sein.

Wer neu in Korea ist, muss deshalb nicht vor dem ersten Firmenessen eine komplette Liste koreanischer Trinkregeln auswendig lernen.

Oft reicht etwas viel Einfacheres:

schauen, was die anderen machen.

Und genau hier begegnet uns wieder Nunchi.

Hoesik ohne Alkohol – geht das überhaupt?

Auf einem Foto eines koreanischen Firmenessens sieht man vielleicht grüne Soju-Flaschen und Biergläser.

Deshalb verbinden viele Menschen Hoesik sofort mit Alkohol.

Dieses Bild hat einen realen kulturellen Hintergrund. Samgyeopsal, Soju und Bier gehörten lange zu den vertrauten Szenen koreanischer Firmenessen.

Aber ein Hoesik muss heute nicht um Alkohol kreisen.

Jemand kann Wasser oder ein alkoholfreies Getränk trinken. Ein Team kann gemeinsam essen, ohne überhaupt Alkohol zu bestellen.

Wer keinen Alkohol trinkt, ist deshalb nicht automatisch von Hoesik ausgeschlossen.

Denn die gemeinsame Zeit am Tisch ist selbst ein wichtiger Teil des Abends.

Und irgendwann sind die Teller fast leer.

Jetzt könnte ein deutscher Gast denken:

Gut. Essen vorbei. Wir gehen nach Hause.

Dann sagt jemand:

„2차 갈 사람?“

Wer kommt mit zur zweiten Runde?

2차 – Warum essen wir jetzt Chicken?

In Korea wird die erste Station eines Abends häufig als 1차 bezeichnet.

Geht es danach an einen anderen Ort weiter, wird daraus 2차 – die zweite Runde.

In Erzählungen über frühere koreanische Firmenessen taucht diese Abfolge besonders häufig auf.

Nach Samgyeopsal und vielleicht Soju oder Bier ging ein Teil der Gruppe noch weiter.

Zum Beispiel zu Chicken und Bier.

Und dafür hat Korea natürlich ebenfalls ein eigenes Wort:

Chimaek (치맥).

Chicken + Maekju, das koreanische Wort für Bier.


Für jemanden, der gerade ein komplettes Abendessen hinter sich hat, wirkt die Szene vielleicht etwas rätselhaft.

Wir haben doch gerade gegessen.

Warum steht jetzt schon wieder Essen auf dem Tisch?

Aber bei der zweiten Runde ging es nicht nur darum, noch einmal Hunger zu haben.

Der Abend wurde einfach fortgesetzt.

Vielleicht gingen nicht mehr alle mit. Vielleicht wurde die Gruppe kleiner. Vielleicht wurde das Gespräch lockerer.

Das war eine vertraute Szene aus der früheren koreanischen Hoesik-Kultur.

Und manchmal war selbst nach Chicken und Bier noch nicht Schluss.

3차 – Und plötzlich steht der Chef am Mikrofon

Die zweite Runde ist vorbei.

Jetzt wirklich nach Hause?

Nicht unbedingt.

In älteren Geschichten über koreanische Firmenessen taucht manchmal noch eine dritte Station auf:

3차.

Und dafür war Noraebang (노래방), das koreanische Karaoke, eine bekannte Möglichkeit.


Jetzt kann die Rollenverteilung des Büros für einen Moment ziemlich komisch aussehen.

Der sonst stille Mitarbeiter steht mit einem Mikrofon da.

Die Kollegen klatschen.

Jemand schüttelt ein Tamburin.

Und vielleicht singt der Vorgesetzte, den man bisher nur aus ernsten Meetings kannte, plötzlich ein altes Lieblingslied.

Solche Szenen gehören zu den Geschichten, die viele Koreaner mit früheren Firmenessen verbinden.

Samgyeopsal und Soju.

Dann 2차 mit Chimaek.

Dann vielleicht 3차 im Noraebang.

Aber genau an dieser Stelle muss man aufpassen.

Das ist keine Beschreibung dafür, wie jedes koreanische Hoesik heute abläuft.

Heute kann nach der ersten Runde einfach Schluss sein

Die koreanische Hoesik-Kultur verändert sich.

Heute gibt es Teams, die nur gemeinsam zu Abend essen und danach nach Hause gehen.

Andere trinken kaum oder gar keinen Alkohol.

Manche treffen sich zum Mittagessen.

Ein gemeinsamer Cafébesuch, eine Aufführung, eine Ausstellung oder eine andere Aktivität kann ebenfalls an die Stelle des traditionellen langen Abends treten.

Und selbst innerhalb derselben Firma können zwei Teams eine völlig andere Hoesik-Kultur haben.

Das alte Bild

Samgyeopsal → Soju → 2차 Chimaek → 3차 Noraebang

ist deshalb kein Stundenplan für koreanische Arbeitnehmer.

Es ist eine der bekannten Szenen, die lange mit koreanischer Firmenkultur verbunden waren und die man auch heute gelegentlich noch erleben kann.

Was bedeutet eigentlich Nunchi?

Beim ersten Hoesik können einem erstaunlich viele kleine Fragen durch den Kopf gehen.

Wer beginnt zuerst zu essen?

Soll ich das Glas mit beiden Händen nehmen?

Muss ich das Fleisch grillen?

Soll ich bei der zweiten Runde mitgehen?

Auch koreanische Arbeitnehmer tragen dafür keine universelle Hoesik-Bedienungsanleitung in der Tasche.

Oft beobachten Menschen einfach, was um sie herum passiert.

Wer macht was?

Wie formell ist die Gruppe?

Ist die Stimmung gerade ernst oder locker?

Wer möchte noch weiterziehen und wer verabschiedet sich?

Für dieses Gespür gibt es im Koreanischen ein berühmtes Wort:

Nunchi (눈치).

Nunchi bedeutet nicht einfach, dem Chef gefallen zu wollen.

Es beschreibt auch die Fähigkeit, eine Situation und die Menschen darin wahrzunehmen und sein Verhalten entsprechend anzupassen.

Deshalb lässt sich Nunchi an einem Hoesik besonders schön beobachten.

Einer grillt.

Ein anderer erzählt.

Jemand trinkt Soju.

Daneben sitzt jemand mit einem Softdrink.

Einige gehen später zur zweiten Runde.

Andere fahren nach Hause.

Und all das kann völlig normal sein.

Hoesik ist keine koreanische Pflichtübung mit festem Ablauf

Vielleicht ist genau das der wichtigste Unterschied zwischen dem Klischee und dem wirklichen Leben.

Es gibt nicht „das koreanische Hoesik“.

Das traditionelle Firmenessen mit Samgyeopsal und Soju ist eine bekannte Szene.

Die zweite Runde mit Chimaek ebenfalls.

Und das Noraebang nach einem langen Abend gehört zu vielen älteren Geschichten über koreanische Arbeitskultur.

Doch daraus folgt nicht, dass alle koreanischen Unternehmen so feiern oder dass jeder Arbeitnehmer diese Art von Abend mag.

Auch in Deutschland unterscheiden sich Firmenveranstaltungen erheblich. Weihnachtsfeiern können im Restaurant, im Unternehmen oder an anderen Orten stattfinden; außerhalb der regulären Arbeitszeit ist die Teilnahme grundsätzlich freiwillig.

Vielleicht liegt gerade darin ein interessanter Unterschied für deutsche Leser:

Eine Weihnachtsfeier oder ein Sommerfest erkennt man sofort als besonderes Firmenevent.

Ein Hoesik kann viel unspektakulärer anfangen.

„Gehen wir heute Abend zusammen essen?“

Und plötzlich sitzt man vor einem Samgyeopsal-Grill und erlebt eine kleine Seite koreanischer Arbeitskultur, die im Büro kaum sichtbar war.

Vielleicht endet der Abend nach dem Essen.

Vielleicht kommt Chimaek.

Vielleicht Noraebang.

Und vielleicht fragt jemand irgendwann lächelnd:

„2차 갈 사람?“

Dann weiß man wenigstens schon, was gemeint ist.

Und Hoesik ist kein fremdes koreanisches Wort mehr, sondern eine konkrete Erinnerung: Fleisch auf dem Grill, Kollegen um einen Tisch und ein Abend, der vielleicht noch eine zweite Runde hat.

Hinweis

Dieser Beitrag zeigt einige bekannte Szenen der koreanischen Hoesik-Kultur. Unternehmen, Teams, Generationen und einzelne Personen können Firmenessen sehr unterschiedlich gestalten. Samgyeopsal, Soju, Chimaek, mehrere Runden oder Noraebang sind Beispiele aus der koreanischen Arbeitskultur und keine Regeln, die für alle koreanischen Arbeitsplätze gelten.


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