[DE] Globale Familien und Korea: Was Sie über Erbschaft- und Schenkungsteuer wirklich wissen sollten

International family discussing inheritance and gift tax planning in South Korea
An international family discussing wealth transfer and long-term inheritance planning.

Viele internationale Familien beschäftigen sich jahrelang mit Vermögensverwaltung, Investitionen und Nachfolgeplanung, ohne jemals an Südkorea zu denken.

Doch plötzlich taucht Korea auf.

Vielleicht arbeitet die Tochter inzwischen in Seoul.

Vielleicht besitzt die Familie eine Wohnung in Songdo.

Vielleicht hat ein Familienmitglied seinen Lebensmittelpunkt nach Korea verlegt.

Genau an diesem Punkt stellen viele Familien fest, dass nicht nur das Einwanderungsrecht, sondern auch das koreanische Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht relevant werden kann.

Dieser Leitfaden soll keine Steuerberatung ersetzen. Er erklärt lediglich die Grundstruktur des Systems, damit Sie bei einem späteren Gespräch mit Steuerberatern oder Rechtsanwälten die richtigen Fragen stellen können.


Zwei Begriffe, die man zuerst verstehen sollte

Erbschaftsteuer (Inheritance Tax)

Die Erbschaftsteuer entsteht, wenn Vermögen nach dem Tod einer Person auf die Erben übergeht.

Schenkungsteuer (Gift Tax)

Die Schenkungsteuer betrifft Vermögensübertragungen zu Lebzeiten.

Beispielsweise:

  • Eltern überweisen Geld an ihre Kinder.
  • Immobilien werden innerhalb der Familie übertragen.
  • Unternehmensanteile werden verschenkt.

Viele internationale Familien betrachten solche Vorgänge als private Familienangelegenheit. Das Steuerrecht sieht dies jedoch häufig anders.


[Official Guidance]

Nach dem koreanischen Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz richtet sich der Umfang der Besteuerung wesentlich danach, ob eine Person als steuerlicher Einwohner (Resident) oder als Nicht-Einwohner (Non-Resident) eingestuft wird. Bei Einwohnern können in bestimmten Fällen auch Vermögenswerte außerhalb Koreas relevant werden.

[Executive Commentary]

Der wichtigste Punkt ist deshalb nicht die Staatsangehörigkeit.

Entscheidend ist oft die steuerliche Verbindung zu Korea.

Viele Menschen glauben:

"Ich bin Deutscher, also betrifft mich koreanisches Steuerrecht nicht."

So einfach ist es nicht.

Sobald Familienmitglieder in Korea leben, arbeiten oder dort wesentliche Vermögenswerte besitzen, sollte man prüfen, welche steuerlichen Regeln greifen können.


Das Missverständnis mit den 183 Tagen

Im Internet liest man oft:

Mehr als 183 Tage in Korea = automatisch steuerlicher Einwohner.

Diese Darstellung ist zu vereinfacht.

Die Behörden betrachten unter anderem:

  • Wohnsitz
  • tatsächlichen Lebensmittelpunkt
  • familiäre Beziehungen
  • wirtschaftliche Aktivitäten

Die Aufenthaltsdauer ist wichtig, aber nicht das einzige Kriterium.


[Official Guidance]

Ist der Erblasser steuerlicher Einwohner Koreas, können sowohl inländische als auch ausländische Vermögenswerte in die steuerliche Betrachtung einbezogen werden. Bei Nicht-Einwohnern beschränkt sich die Besteuerung grundsätzlich auf Vermögenswerte mit Bezug zu Korea.

[Executive Commentary]

Deshalb stellen internationale Familien häufig zuerst die falsche Frage:

"Wie hoch ist die Steuer?"

Die wichtigere Frage lautet:

"Welche Vermögenswerte betrachtet Korea überhaupt?"

Wer diese Grundfrage nicht versteht, kann die spätere Steuerbelastung kaum einschätzen.


Schenkungen innerhalb der Familie: Warum alte Überweisungen plötzlich relevant werden können

Erinnern Sie sich an die Überweisung für das Auslandsstudium Ihres Kindes?

Oder an die finanzielle Unterstützung beim Kauf der ersten Wohnung?

Viele Jahre später können solche Vorgänge bei einer steuerlichen Prüfung wieder relevant werden.

Das bedeutet nicht automatisch, dass Steuern anfallen.

Es bedeutet aber, dass eine saubere Dokumentation innerhalb der Familie wichtig sein kann.


Wichtige Freibeträge, die viele Familien kennen sollten

Nach den geltenden Regelungen bestehen unter anderem folgende Freibeträge für Schenkungen innerhalb eines Zehnjahreszeitraums:

  • Ehepartner: 600 Millionen KRW
  • Volljährige Kinder: 50 Millionen KRW
  • Minderjährige Kinder: 20 Millionen KRW

Die konkrete steuerliche Behandlung hängt jedoch immer vom Einzelfall ab.


Fristen, die man nicht übersehen sollte

Erbschaftsteuer

Grundsätzlich innerhalb von sechs Monaten nach dem Ende des Monats, in dem der Erbfall eingetreten ist.

Schenkungsteuer

Grundsätzlich innerhalb von drei Monaten nach dem Ende des Monats, in dem die Schenkung erfolgt ist.


Drei Fragen für internationale Familien

  1. Gibt es Familienmitglieder, die ihren steuerlichen Lebensmittelpunkt inzwischen nach Korea verlegt haben?
  2. Befinden sich Immobilien, Bankguthaben oder Unternehmensbeteiligungen in Korea?
  3. Sind frühere Vermögensübertragungen innerhalb der Familie ausreichend dokumentiert?

Allein diese drei Fragen helfen oft dabei, die ersten Gespräche mit Fachberatern deutlich effizienter zu führen.


Fazit

Koreanische Erbschaft- und Schenkungsteuern beginnen nicht erst mit dem Todesfall oder einer großen Vermögensübertragung.

Oft beginnt die eigentliche Planung viel früher:

wenn ein Kind nach Korea zieht,

wenn Vermögen international verteilt wird,

oder wenn eine Familie langfristige Verbindungen nach Korea aufbaut.

Wer die Grundstruktur versteht, kann spätere Überraschungen deutlich besser vermeiden.


Stand der Informationen

Juni 2026

Offizielle Quellen

  • National Tax Service (NTS)
  • Inheritance Tax and Gift Tax Act
  • National Law Information Center
  • Korea Legislation Research Institute (KLRI) 


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